16.10.2012 - Die letzte Hürde...

…zum Erwerb der GPL, der Glider Pilot Licence oder zu deutsch Segelfluglizenz, meisterten Julian L. und Bruno O. vom Flieger-Club Strausberg. Der praktischen Prüfung stellten sich die beiden jungen Piloten am 30. September 2012, und sie berichten, wie es ihnen dabei erging.

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„Zwei Stunden vor dem Prüfungstermin“, so Julian, „war ich schon sehr aufgeregt. Noch einmal rief ich mir alle Fakten über den Doppelsitzer ASK 21 und die Regelungen zum schwierigen Luftraum über dem Flugplatz Strausberg ins Gedächtnis. Das sollte man schließlich immer parat haben. Doch die Aufregung legt sich schnell, nachdem der Prüfer, Detlef Albinus aus Neuhausen, eingetroffen ist. Mit seinem kurzen Briefing, in dem er in knappen Worten den Inhalt der praktischen Segelflugprüfung erläutert und die Dokumente wie Flugbuch und Medical begutachtet, gelingt es ihm, uns beiden Ruhe und Zuversicht einzuflößen. Da hilft auch der Vorflug-Check des Flugzeuges – eine schon einmal sehr vertraute Tätigkeit - unter den kritischen Blicken des Prüfers, der daneben steht und lediglich meint, dass wir bei Doppelsitzern den Knüppel vorn und hinten gleichzeitig betätigen sollten, um ein etwaiges Spiel zwischen den Knüppeln festzustellen.

Nun muss ich zeigen, was ich gelernt habe. Den ersten Flug mit 30-Grad-Kreisflügen und Kurvenwechsel schaffe ich problemlos. Auch den Seitengleitflug im Landeanflug – der Slip ist fünf bis sieben Sekunden zu halten. Ebenso gelingen der zweite Flug mit 45-Grad-Doppelvollkreisen und Überleiten sowie der dritte Flug mit 60-Grad-Kreisen und wiederum Kurvenwechsel. Die einzige Kritik beim Debriefing: Die Schräglage bei den 60-Grad-Kreisen war dem Prüfer zu gering – das seien höchstens 50 Grad. Dennoch gratuliert er mir zur bestandenen Prüfung.

Für Bruno beginnt der Prüfungstag bereits um 8 Uhr. Weitsichtig kocht er nach dem Aufstehen Kaffee und richtet den Kuchen für den Prüfer und die Helfer an, denn letztere müssen sich an diesem Tag mit dem Jahresrekord der anwesenden Schüler und nur einer verfügbaren ASK 21 (die zweite ist in Laucha zum Kunstfluglehrgang) besonders in Geduld üben, bevor sie heute fliegen dürfen.

Da Bruno seit einem Monat nicht mehr im Cockpit gesessen hat, absolviert er zunächst einen Start mit Fluglehrer Norbert Stanko, wobei der Slip eher als suboptimal zu bezeichnen ist, wie Bruno einräumt.

„Als ich aus dem Doppelsitzer steige, ist der Prüfer bereits eingetroffen. Er ist freundlich und wirkt sehr beruhigend auf uns. Dennoch muss ich mich beim ausführlichen Check des Flugzeuges schon sehr konzentrieren, aber zum Glück stellt Detlef nur wenige Fragen zu theoretischen Problemen.

Im Doppelsitzer bin ich noch immer sehr aufgeregt. Aber eigentlich gibt es überhaupt keinen Grund zur Unruhe, denn der Start verläuft wie immer reibungslos und routiniert. Während des Fluges höre ich kein Wort vom Prüfer; ich erläutere und begründe meine Aktionen - Vorhaltewinkel wegen Seitenwind, Fahrterhöhung wegen Böigkeit.

Im Gegenanflug fliege ich die 30-Grad-Kurven, jeweils zwei und rechts beginnend mit Überleiten nach links. An der Position habe ich 250 Meter Höhe als ausreichende Reserve für den Seitengleitflug, aber der gelingt nicht ganz, weil ich etwas nach Lee abdrifte. Nach dem Ausleiten korrigiere ich die Richtung und lande zehn Meter hinter dem Landezeichen. Der Prüfer hat noch keinen Ton von sich gegeben.

Der Start zum zweiten Flug verzögert sich durch den vielen Motorverkehr. Zehn Minuten stehen wir am Boden und warten. Klar, dass ich langsam ungeduldig werde.

Endlich der Start. Die 45-Grad-Kurven mit Überleiten muss ich abbrechen, weil plötzlich nur noch 210 Meter Höhe verfügbar sind. Als ich meine Entscheidung wegen der Sicherheitshöhe begründe, sagt Detlef noch immer nichts.

Das aber ändert sich beim dritten Flug. Detlef sind meine 60-Grad-Kurven zu flach. Er übernimmt das Steuer und fliegt nun mit gefühlter(!) 100-Grad-Schräglage die Kreise. Dann folgen ein dem Kurvenslip ähnlicher Zustand - er fragt mich, was er jetzt falsch macht – und Flugzustände, die sogar das Einleiten vom Trudeln andeuten – also Fehlerimitation pur.

An der Position sind es nur noch 150 Meter Höhe - I have control again. Der Prüfer redet ununterbrochen und befragt mich nach allen möglichen flugpraktischen Dingen. Klar, er will mich versuchen abzulenken, um meine Reaktionen zu testen.

Meine Position melde ich unter diesen Umständen viel zu spät im Queranflug, da Detlef erst hier eine kleine Pause einlegt, um dann, bis zum Aufsetzen, ohne Unterbrechung weiter zu reden. Aber beirren lasse ich mich davon keineswegs.

Bei der Auswertung gibt mir der Prüfer noch einige Tipps – zum Beispiel, dass ein gewisses Risiko OK sei, ABER es müsse berechenbar bleiben. Mein Fazit: Ein sehr netter Prüfer; man muss wirklich keine Angst haben und wenn man mindestens durchschnittlich fliegt und keinen riesigen Fehler macht, kommt man locker durch.“

Nach der Auswertung riefen Julian und Bruno begeistert: „Hurra, wir sind jetzt PILOTEN!“ Aber zu früh gefreut… Eine etwas eigenartige Regelung der Luftfahrtbehörde wird die beiden, bis sie ihre GPL in den Händen halten, an den Boden fesseln. Sie sind keine Flugschüler mehr, besitzen aber auch noch keine Lizenz und dürfen deshalb nicht einmal unter Aufsicht eines Fluglehrers – weder ein- noch doppelsitzig – ein Segelflugzeug steuern. Möglich in dieser Zeit ist allein der Mitflug im hinteren Sitz – ein Formalismus, der nicht nachvollziehbar ist.

(Text und Foto: Frank-Dieter Lemke)

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