04.08.2014 - Ein Strausberger in Thüringen

Immer wieder lernen  -  Ein ganz persönlicher Bericht von den Thüringen-Meisterschaften 2014

Segelfliegen bringt immer wieder etwas Neues – Erfahrungen, Erkenntnisse, auch Misserfolge. So auch bei den Thüringen-Meisterschaften im Streckensegelflug vom 24. Juli bis 3. August 2014 in Rudolstadt-Groschwitz.

 

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Auch wenn das Wetter geprägt war von Gewittern, kamen am Ende schließlich doch drei spannende Wertungstage zustande. Für die klug ausgewählten Wetterfenster sorgte unser Meteorologe Michael Krannich vom SFC Erfurt, übrigens auch Sieger der Allgemeinen Klasse.

In bislang unbekannter Region Strecken im Wettbewerb fliegen zu wollen, verlangt eigentlich das Kennenlernen dieses Gebietes an den Trainingstagen vor Beginn des Wettstreits. Das war mir zeitlich nicht möglich. Deshalb nutzte ich den ersten Flugtag, der schon am Boden neutralisiert wurde, für einen Start, um mir zumindest die Umgebung des Flugplatzes anzuschauen. Aber wie peinlich: Ich konnte nach dem Ausklinken (trotz Logger) einfach den Flugplatz nicht mehr finden! Erst mit Hilfe der ICAO-Karte entdeckte ich ihn zwischen den vielen Bergen.

Ein zweiter ungeplanter Trainingstag wurde uns durch eine weitere Neutralisation beschert. Zumindest eine Stunde lang konnte ich mir bei diesem Flug die Gegend erschließen, aber dann zog ein Gewitter heran und ich brach den Flug ab. Vielleicht etwas zu voreilig, denn andere, die sich irgendwo in sicherem Gebiet aufgehalten hatten, blieben noch ziemlich lange in der Luft.

Der erste Wertungstag war ein SAA-Flug (T>3:00 h, 171 bis 276 km). Über Funk hörte ich, dass die Piloten auf meiner Frequenz die erste Wende in Bad Frankenhausen nur am 20-km-Radius anschneiden würden. Das tat auch ich und wollte nun auf jeden Fall die zweite Wende in Zeitz mit ihrem 10-km-Radius weit ausfliegen. Aber das hätte ich wohl besser bleiben lassen sollen, denn als ich auf dem Heimweg recht tief in Jena-Schöngleina eintraf, fehlten mir trotz fast einstündiger Suche nach höher reichender Thermik noch immer 180 Meter auf den Gleitpfad für eine sichere Heimkehr. Vielleicht hätte ich mich dennoch auf den Weg machen können oder sollen, aber gegen die Sonne in ansteigendes, unbekanntes Gelände hinein? Das wagte ich nicht und so landete um 19.04 Uhr nach 5½ Stunden Flugzeit und 227 km in Schöngleina als einziger Außenlander in der Großen Clubklasse… Wie ich tags darauf erfuhr, hätte ich mich bei der Thermiksuche nicht nur auf die Hänge bei Jena beschränken, sondern auch noch ein Stück über die Stadt hinausfliegen sollen – auch eine Erfahrung!

„Heute, Frank, wirst Du den Thüringer Wald richtig kennenlernen!“, so der Greizer Heinz Peinl schmunzelnd zu mir, als für den zweiten Wertungstag eine 221-km-Racing-Task über Oberhof, Titschendorf und Greiz bekanntgegeben wurde. „Na toll“, entgegnete ich, „da wird mir ja der A… bis auf Grundeis gehen.“

Aber ganz so schlimm wurde es dann doch nicht, denn ich hatte gar keine Zeit zum Hinunterschauen auf die für einen Flachlandpiloten viel zu nahen Wälder, weil ich mich der LS 4 von Wolfgang Böhme aus Bad Berka angeschlossen und alle Hände voll zu tun hatte, an ihm dran zu bleiben. Das schlechtere Steigvermögen meiner Mosquito gegenüber der LS 4 kompensierte ich im Vorflug mit der besseren Gleitleistung durch die Wölbklappen. Aber manchmal musste ich doch ganz genau aufpassen, dass mir Wolfgang nach dem Abflug aus dem Thermikkreis nicht entschwand. Doch meine Blicke hingen ständig wie festgenagelt an das manchmal 500 m entfernte Rumpfheck seines Flugzeuges.

Im letzten Bart vor dem Ziel holte ich mir ganz bewusst 300 Meter Höhe mehr, um nach dem Einflug in den 3-km-Zielkreis noch weiter zum Spaß fliegen zu können. Auf meine Anfrage über Funk an den Wettbewerbsleiter kam zwar zunächst ein „Das ist eigentlich nicht üblich.“ – und dann: „Aber mach mal!“, und das fand ich sehr nett!

Mit Wolfgangs Hilfe landete ich also im ersten Drittel der Wertung; sein Kommentar: „Ich konnte es gar nicht fassen, dass Du tatsächlich immer drangeblieben bist!“

Der letzte Wertungstag, wiederum eine Racing Task, aber über 153 km, wurde noch einmal ein richtig schöner Flug – allerdings ein Nuller. Und was war geschehen?

Nach dem Schließen der Haube ging der Logger aus. Also wieder aussteigen, das Flugzeug aus der Startreihe herausziehen und nach der Ursache forschen. Die war gemeinsam mit Roland Scheffel, meinem Rückholer, schnell gefunden – ein Kontaktproblem, das wir mit kleinen Klebebandstückchen am Stecker schnell behoben.

Dann wieder an den Start und Auskuppeln vor der Abfluglinie. Als ich 800 Meter hoch war, kam per Funk die Abflugfreigabe. Ich suchte nach den anderen Flugzeugen und flog ihnen hinterher, ohne zu registrieren, dass ich inzwischen beim Kreisen die Abfluglinie passiert hatte – was für ein Pech!

An der ersten Wende in Pennewitz irrten alle etwas hilflos umher, weil kaum eine Wolke richtig zog. Ich hatte inzwischen die Ruhe weg in diesem für mich ungewohnten Mittelgebirge und machte mich allein auf den Weg, wobei es ganz gut lief, auch wenn es über der Hohenwarte-Talsperre recht tief zuging und nach der Wende in Schöngleina ebenfalls etwas schwierig wurde. Als ich über Funk die 10-km-Meldung von der in der Wertung führenden Andrea Geistbeck-Hauser hörte, hatte ich noch 22 km vor mir und dachte: „Wow, das sieht doch ganz gut aus!“

Wiederum holte ich mir für den Endanflug zusätzliche 300 Meter und genoss noch einmal bis in die Abendstunden hinein den Thüringer Wald mit seinen Burgruinen und vielen Wanderwegen – wie entspannend! Leider musste ich diesen kleinen Abschiedsflug dann doch abbrechen; ein Gewitter zog heran, ich landete schnell und als ich das Höhenleitwerk in den Hänger schob, fing es auch schon an zu „gießen“. Vom Regen in die Traufe kam ich, als ich abends von Chefauswerterin Gabi erfuhr, dass ich genullt worden bin. Aber das störte mich nicht mehr, denn fliegerisch waren die Thüringen-Meisterschaften ein wunderbares Erlebnis und das ist es, worauf es wirklich ankam.

Als Einzelkämpfer hatte ich mich übrigens dem Team aus Bad Berka angeschlossen. Den Mannen (und Uschi) um Manfred Materne sei Dank für die familiäre Atmosphäre, zu der auch ganz wesentlich die Organisatoren aus Rudolstadt-Groschwitz beitrugen.

In ihrem Blog schrieben die Groschwitzer übrigens folgendes: „Gerade für junge Piloten bietet sich dieses Event an, um erste Wettkampferfahrungen zu sammeln. Wir würden uns über das eine oder andere neue Gesicht im nächsten Jahr bei der Thüringer Meisterschaft in Greiz freuen!“

So wird es hoffentlich sein, wenn wir uns vom 6. bis 16. August 2015 in Greiz einfinden, denn einige Piloten, auch ganz junge, aus dem Luftsport-Landesverband Brandenburg – darunter natürlich auch ich - haben sich diesen Termin bereits in ihren Kalender eingetragen.

Text und Fotos: Frank-Dieter Lemke / FC Strausberg


Wertungen:

Allgemeine Klasse / 17 Teilnehmer

1    Michael Krannich                 SFC Erfurt                             DG 800B/18      2453 Punkte

2    Johannes Beier                   FSV Rudolstadt                     ASG 29E          2274 Punkte

3    Thomas Köcher                   SFG Donauwörth-Monheim     Lak-17/18          2088 Punkte

Große Clubklasse / 13 Teilnehmer

1    Mirko Weiß                         FSC Suhl                               LS 1b               1933 Punkte

2    Andrea Geistbeck-Hauser    SFG Donauwörth-Monheim     LS 4                 1916 Punkte

3    Jürgen Stegger                   LSV Borken                           LS 4                 1891 Punkte

Kleine Clubklasse / 3 Teilnehmer

1    Andreas Litzba                    FC Carl-Zeiss Jena                 Puchacz           1423 Punkte

2    Jens Güther                        LSV Greiz                              Puchacz           1358 Punkte

3    Walter Braun                       FSV Rudolstadt                     Puchacz             892 Punkte

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