02.07.2015 - Segelflugzeug in Holzbauweise aus Strausberg

Lo 100 Zwergreiher erstmals montiert

Strausbergs Hightech-Motorsegler der Firma Stemme werden in Faserverbundbauweise hergestellt und sind weltweit in aller Munde. Ganz im Stillen dagegen widmet sich ein anderer Strausberger einer im modernen Flugzeugbau längst vergessenen Bauweise. Sven Brandhorst, der wie vor fast 100 Jahren in einer Ecke des Flugplatzes ein Segelflugzeug aus Holz baut.

Am 13. Juni montierte der 42jährige in Berlin tätige Verkehrspolizist erstmals sein Segelflugzeug als Rohbau – im Fachjargon Rohbaumontage genannt. Sie soll Gewissheit über die geometrische Genauigkeit seines Neubaus einer alten Konstruktion geben – und das Ergebnis war sehr zufriedenstellend.

  • Grunau_Baby_IIB-Sven_Brandhorst
Sven Brandhorst in seinem gelben Grunau Baby IIB aus dem Jahre 1944 (Foto: Frank-Dieter Lemke)
  • Lo 100

Historischer Flugzeugbau in Strausberg – von links: Alexander und Anton Görnitz sowie Sven Brandhorst mit ihrem Rohbau des Kunstflug-Segelflugzeuges "Lo 100 Zwergreiher" (Foto: Frank-Dieter Lemke)

  • 100 Luesse

Die Lo 100 Zwergreiher flog viele Jahre lang erfolgreich auf westeuropäischen Kunstflugwettbewerben und ist noch heute, wie hier in Lüsse 2008, in einigen Exemplaren anzutreffen. (Foto: Frank-Dieter Lemke)

 

Seit Jahren schon beeindruckt Sven Brandhorst mit seinen Bauaktivitäten in der Freizeit die Oldtimerszene. Am Anfang war es ein Bölkow Phoebus C, den er neu lackierte. 2007 beendete er gemeinsam mit dem inzwischen als Konstrukteur bei Stemme tätigen Tobias Mörsel erfolgreich die Restauration eines Baby IIB. Dieser kleine Einsitzer, der damals als Übungsflugzeug weltbekannt wurde, war noch 1944 von Edmund Schneider in Grunau hergestellt worden.

Beim Baby-Treffen 2014 in Jeżów Sudecki, dem früheren Grunau, startete Sven Brandhorst zu einem seiner interessantesten Flüge. Dem Oldtimer-Piloten gelang in fast vier Stunden bei schwieriger Blauthermik eine Strecke von 52 km - sein bisher längster und weitester Flug auf diesem historischen Segelflugzeug mit einem besten Gleiten von 17.

Als 2007 die Fertigstellung des Babys in den letzten Zügen lag, erhielt Sven das Angebot für den Kauf eines bereits fertigen Hauptholms sowie einer Baugenehmigung nebst Zeichnungen. Es handelte sich um die Lo 100 – ein in den 1950er Jahren in der damaligen BRD speziell für den Kunstflug konstruiertes Segelflugzeug. Der Verkäufer, ebenfalls Segelflieger, hatte gemeinsam mit einem anderen Segelflieger den Holm und die Bauunterlagen käuflich erworben. Doch am Bau scheiterten sie.

Aber nun sahen sie das restaurierte Baby und sagten sich, Sven Brandhorst kann es! Der jedoch konnte sich zunächst nicht wirklich für das neue Projekt erwärmen, weil ihm das Flugzeug nicht so recht gefiel. Aber da waren eben der bereits fertig gestellte Holm und die Baulizenz und dann siegte doch der Reiz, diesmal etwas ganz Neues in Angriff zu nehmen. Das war im Jahre 2008. Heute ist unübersehbar, dass Sven Brandhorst mit jedem Baufortschritt mehr Gefallen an seinem „Zwergreiher“ findet.

Die einzigen vorgefertigten Teile, die Holmgurte aus TBu 20, stammen aus Kanada. Dort hatte eine Firma für zahlreiche Interessenten weltweit noch einmal die Produktion von Holz für den Flugzeugbau aufgelegt. Heute, also sieben Jahre später, ist das Flugzeug bereits als solches gut erkennbar. Der Einbau der Steuerung in den Rumpf wird gegenwärtig vorbereitet und Alexander Görnitz aus Nardt wird das Höhenruder bauen. Auch die Bremsklappen und Querruder sind noch anzufertigen. Unter dem Umstand, dass die Familie und das eigene Fliegen ebenfalls nicht zu kurz kommen sollen, geht es aber zügig voran, und so dürfte dem Bespannen und Lackieren im nächsten Winter kaum etwas im Wege stehen. Der Erstflug ist für 2016 vorgesehen; auch die Kunstflugberechtigung hat Sven Brandhorst inzwischen erworben.

Frank-Dieter Lemke

 

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