30.08.2015 - 19. Kleines Segelflugzeug-Oldtimertreffen 2015

Für Auge und Herz

„Antriebslos, aber hochmotiviert“ – diese Maxime hatte der Veranstalter für das 19. Kleine Segelflugzeug-Oldtimertreffen am letzten Augustwochenende in Rothenburg an der Neiße ausgegeben. Vielleicht war es gar diese originelle Losung, die viele - mehr als je zuvor - dazu bewog, in die Oberlausitz zu kommen? Angereist waren 46 Piloten aus 22 Vereinen mit 28 Segelflugzeugen - eine fast rekordverdächtige Teilnehmerzahl.

Bildunterschriften (PDF)     Concours d'Elegance (Teilnehmer und Ergebnisse / PDF)

 

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Sie ließ den Organisator Volker Wollert zu dem Schluss gelangen, dass es sich doch nun um ein Großes Segelflugzeug-Oldtimertreffen handeln müsse. Aber dieses Ziel lag nie in der Absicht jener Initiatoren im Jahre 1997 in Strausberg, die damals das inzwischen traditionelle Treffen zum Leben erweckten.

Der Zuspruch, den diese Veranstaltung findet, ist - neben der überschaubaren Organisation und der Konzentration auf das Fliegen - gewiss auf die von Beginn an knallharten finanziellen Prämissen zurückzuführen: Die Organisationsgebühr, die einmalig jeder Pilot entrichtet, bleibt auch weiterhin auf 15 € beschränkt, das Campen ist ebenso kostenlos wie die Hangarierung. Mancher Ausrichter in der Vergangenheit musste erst einmal lernen, diese strikten Vorgaben zu verdauen, aber die Gegenleistung dafür ist eben sehenswert: Oldtimer, die auf das Feinste restauriert wurden und von weither angereist sind. Das erleben Zuschauer und ebenso Piloten nicht alle Tage.

In Rothenburg bot der ehemalige Militärflugplatz der Nationalen Volksarmee mit seinen langen Schleppstrecken (Startrichtung 18: 2930 m; Startrichtung 36: 3130 m) beste Bedingungen, auch wenn die weiten Wege gewöhnungsbedürftig sind. Die Gastgeber meisterten diese Hürde mit einem Shuttle, der sehr gern in Anspruch genommen wurde. Neben 20 Starts im Flugzeug- oder Trike-Schlepp waren besonders die Höhenschlepps gefragt, von denen immerhin 84 absolviert wurden. Gern nahmen die Piloten den größeren Zeitaufwand für das Rückholen der Seile in Kauf und wurden dafür oft – trotz gelegentlich ungünstiger Windedingungen - mit Schlepphöhen von mehr als 1000 m belohnt. Auch die unangenehmen EDRs nördlich von Rothenburg waren all die Tage nicht aktiv.

Concours d’Elegance

Ein Höhepunkt ist immer wieder der Concours d’Elegance. Hier küren die Zuschauer und Piloten die schönsten und interessantesten Segelflugzeuge - in diesem Jahr ausnahmslos westdeutschen Ursprungs, und das gegen stärkste Konkurrenz!

Platz eins ging mit fast erstaunlichem Vorsprung an den Condor IV mit Reginald Kasubeck aus Anklam. Anfang der 1950er Jahre waren in Argentinien achtzehn Condor IV, ein von Heini Dittmar konstruierter Doppelsitzer, aus kompletten Bausätzen nebst Zeichnungen entstanden, die der Sportsegelflugzeugbau A. Schleicher Poppenhausen geliefert hatte. Die Initiatoren waren zweifellos deutsche Auswanderer, die auf der Flucht vor ihrer Verantwortung im Zweiten Weltkrieg ihren Wohnsitz in Argentinien genommen hatten. Allerdings mussten die Vereine bald feststellen, dass diese Bausätze viel zu komplex waren und sie beauftragten einen luftfahrttechnischen Betrieb namens "Carpenterios Aeronautica Madse" mit der Fertigstellung der Flugzeuge. Einer dieser Condor IV – die Werknummer 18 - erhielt die Registrierung LV-DHV und kam ab 1954 beim Aero Club Carlos Casares in der Buenos Aires Province zum Einsatz. Der Verein flog mit dem Condor IV bis zu dessen Schließung im Jahre 1982 fast 697 Stunden bei 2082 Landungen. Zehn Jahre später, nach Lagerung im stillgelegten Hangar des ehemaligen Clubs, kaufte Jochen Kruse das Flugzeug. Obwohl in einem geschlossenen Anhänger untergebracht, hatte es durch Feuchtigkeitseinwirkungen arg gelitten. Die aus diesem Grund sehr aufwendige Wiederherstellung lag schließlich in den Händen von Peter S. Underwood, der am 6. April 2002 seine Arbeiten, die er gemeinsam mit vielen Helfern ausgeführt hatte, erfolgreich beendete. Danach erhielt das Flugzeug die BGA-CoA-Nummer 4905 und die Registrierung JZD. Inzwischen pflegt und fliegt Reginald Kasubeck aus Anklam diesen Condor IV, der sich als Annex II-Flugzeug im deutschen Zulassungsverfahren befindet.

Über die Plätze zwei und drei würden sich die beiden, inzwischen leider verstorbenen Altmeister unter den westdeutschen Konstrukteuren, Egon Scheibe und Rudolf Kaiser, gewiss freuen. Platz zwei errang der farblich außerordentlich gelungene Scheibe Bergfalke III Cabrio des Hamburger Vereins für Luftfahrt. Dessen Rumpf in der klassischen Lufthansa-Bemalung haben Vereinsmitglieder lackiert; die Lackierung der Tragflächen ist eine gemeinsame Arbeit mit Lufthansa Technik. Allerdings verwirrt beim Blick auf den Rumpf der Schriftzug „Luftfahrt“ anstelle des naheliegenden „Lufthansa“, aber leider erteilte die Fluggesellschaft keine Freigabe für die Benutzung ihres Namens.

Über Platz drei freute sich Patrick Zimmer aus Laucha mit seiner Schleicher Ka 2b, deren 16 Meter Spannweite in trapezförmige Außenflügel münden. Auch ist der Rumpf 15 cm länger – gut am kleinen Knick im Rumpf vor dem Höhenleitwerk zu erkennen. Aber der eigentliche, sehenswerte Knüller ist die originale, verstrebte Kabinenhaube. Offenbar erleben diese Originalhauben eine Renaissance, denn auch Reinhard Meier rüstete seine Ka 6CR damit aus und die Ka 6-0 von Michael Uebel war wohl schon immer mit ihr ausgestattet.

Etwas für’s Auge und das Herz waren auch viele andere Oldtimer, die von den Teilnehmern mitgebracht wurden. In einem Fall betraf es sogar ein Flugzeug, von dem man das am wenigsten erwartet hätte und das doch alle Blicke auf sich zog: den rot-weiß-lackierten SZD-30 der „Flying Pirats“ aus Perleberg. In einer Zeit, in der sich zahlreiche Vereine des hohen Wartungsaufwandes wegen von diesem Muster trennen, erwarben die Perleberger ihren Pirat in Österreich - der schönste, der jemals zu erblicken war.

Im nächsten Jahr wird das Kleine Segelflugzeug-Oldtimertreffen ihr Jubiläum feiern. Dazu lädt vom 26. bis 28. August 2016 als Kernzeit der Flugplatz Hammelburg in der bayrischen Rhön ein, womit die Veranstaltung nun auch den Westen der Bundesrepublik erobert. Organisieren wird das Treffen Michael Uebel. Ihm gelangen bei den vorangegangenen Veranstaltungen auf seiner Ka 6-0, gebaut im Jahre 1956 noch mit 14,4 m Spannweite und später auch mit einem Rad ausgestattet, immer die längsten Flüge - auch in Rothenburg mit insgesamt fast fünfzehn Flugstunden! Die Herausforderung in Hammelburg wird für ihn aber eine andere sein.

Das Fliegen in Hammelburg ermöglichen die Gastgeber bereits ab Samstag, dem 20. August, und viele Piloten werden sicher dankbar für dieses Entgegenkommen sein. Schließlich liegt vor den meisten eine sehr weite Strecke, um zum Austragungsort des 20. Treffens zu gelangen. Deshalb möchten viele auch einige Tage länger in der Rhön bleiben.

Frank-Dieter Lemke

Splitter:

Die meisten Piloten waren mittleren und jüngeren Jahrgangs. Von Überalterung der Oldtimerszene kann also, zumindest beim Kleinen Segelflugzeug-Oldtimertreffen, keineswegs die Rede sein.

Unter den Teilnehmern aus Deutschland, Polen und Tschechien befanden sich acht Piloten, die bereits selbst, einige von ihnen bereits mehr als einmal, das Kleine Segelflugzeug-Oldtimertreffen organisiert hatten.

Die 28 Segelflugzeuge von bunter technischer Vielfalt waren in den verschiedensten Ländern gebaut worden: in Argentinien (1), in der BRD (13), in der DDR (2), in Deutschland (3), in Polen (6) und in Tschechien (1).

Seine Kanone, mit der Gerhard Maleschka aus Langhennersdorf mit einem morgendlichen Böllerschuss zum Briefing rief, baute er über die Monate von zwei Wintern. Zunächst begann er mit den Rädern, die bereits eine Aufgabe für sich darstellen. Hier sind immerhin die Künste eines Stellmachers gefragt - eines Berufes, den heute nur noch wenige kennen. Das Kanonenrohr wurde in Regensburg gegossen.

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